Hansenhaus Rechts - Gemälde

Hansenhaus Rechts - Gemälde
Hansenhaus Rechts zu Marburg an der Lahn ca. im Jahre 1897 - Gemälde von Friedrich (Fritz) Klingelhöfer (04.061832 - 09.11.1903) Marburger Landschaftsmaler - Bildarchiv Foto Marburg 221331

Montag, 29. Februar 2016

Täglich nachmittags und abends Konzert


Musik und gute Laune

Das Hansenhaus rechts verfügte schon Anfang der
1930er Jahre über eine umfangreiche Musikübertragungs- anlage. Diese wurde von der Marburger Firma "PHYMA" speziell für die Bedürfnisse des Hansenhaus rechts konstruiert und und installiert. Sämtliche Gasträume, einschließlich Saal und Außenbereich, konnten somit beschallt werden. Die Anlage wurde von einem riesigen
Röhrenverstärker befeuert. Eine für die damalige Zeit
von Größe und Umfang her eine ungewöhnliche Anlage.


Stolzer Kapellmeister Friedrich Carl "Fritz" Schmenner im Jahre 1932 vor seiner Musikanlage. Foto: Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner, Copyright by Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH / SDS Marburg)
Über 2.000 Schelllackplatten als Tonträger standen zur Verfügung. Alle Musikrichtungen über Klassik, Schlager, Tanzmusik usw. waren vertreten. Ein großer Plattenspieler, der sowohl mit Elektroantrieb wie auch Handkurbel in Gang gesetzt werden konnte sorgte für das Abspielen der Platten.

Für das "Auflegen" der Schallplatten sorgten in erster Linie der Chef Fritz Schmenner sen. und der Weidenhäuser Karl "Petter" Weintraut, von vielen Gästen Konzertmeiser vom Hansenhaus genannt.

Stammgäste wurden regelmäßig mit ihrer Lieblingsmusik erfreut, die dann schon beim Betreten des Lokals oder nach dem Platz nehmen erklang.


Werbeanzeige - Quelle: Universitäts Semesterführer 1936/37
Mitte der 1930er Jahre wurde auf dem Dach der geschlossenen Terrasse (Veranda) noch zusätzlich ein mit Zinkblech verkleideter Außenlautsprecher in den Maßen von ca. 1,20 x 1,20 Meter aufgebaut.

An der Vorderseite des Gehäuses sorgten Lamellen dafür, dass Schall von den im Inneren istallierten 3 Lautsprechern ungehindert austreten konnte. Somit konnten große Außenbereiche beschallt werden. Um die Reichweite zu überprüfen, wurde Karl "Petter" Weintraut auf das Landgrafenschloss beordert, um festzustellen, ob dort die Musik vom Hansenhaus rechts zu hören sei.

Fritz (Friedrich Carl) Schmenner setzte zum vereinbarten Zeitpunkt die Musikanlage mit höchster Lautstärke in Betrieb und tatsächlich war die Musik vom Hansenhaus auf dem Schloss zu hören. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch nicht so viel verkehrsbedingte Nebengeräusche.

Das Ende der großen Musikanlage aus den 1930er Jahren kam im Jahr 1945. Nach Freigabe des von der amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmten Hansenhaus rechts fand Fritz (Friedrich Carl) Schmenner eine total zerstörte Anlage und Hunderte
von zerbrochenen Schelllackplatten vor.

Ende der 1940er Jahre wurde eine neue Anlage installiert, die dann ständig dem technischen Fortschritt angepasst wurde.


Zuletzt war eine kompakte BRAUN Musikanlage, bestehend aus einem Röhren-Radio, Verstärker und unter einem Deckel befindlicher 10er Wechsler für Schellackplatten installiert. Die Besonderheit dieser Musikanlage war der Radioteil, dieser verfügte bereits über UKW. Diese Anlage hatte die Maße von rd. 70 x 40 x 40 cm und wog ca. 25 kg. Im Rahmen von Renovierungsarbeiten wurde 1965 die BRAUN Musikanlage deinstalliert. Sie wurde anschließend noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts privat weiter genutzt. 

Übrigens, die Beschallungsanlage für die Freiflächen des Hansenhaus rechts war die seinerzeit größte und leistungsfähigste auf Dauer fest installierte Anlage in Marburg. 


Hubertus Schmenner erinnert sich: 
Der Plattenspieler rechts im Bild stand später noch bis Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre im Wohnzimmer. 

Das Gerät würde man heute als einen Hybridplattenspieler bezeichnen. Er war für seine Zeit ungewöhnlich. Der Plattenteller verfügte über 2 Antriebe, einmal per Handkurbelaufzug und einmal mit elektrischem Antrieb. Ebenso waren 2 Tonabnehmer vorhanden. Ein sogenannter Membranabnehmer für den im Unterschrank hinten Türen verborgenen und mit Stoff und Holz- schnitzerei abgedeckten Trichterlautsprecher. 

Der zweite Tonabnehmer wurde für die externe Verstärker- und Lautsprecheranlage benutzt. Bis Ende der 1930er Jahre war dieser Plattenspieler im Einsatz und dann durch ein moderneres Gerät ersetzt, auf dem ich dann auch Platten auflegen durfte. Der alte Plattenspieler, der dann im Wohnzimmer stand war immer noch (per Kurbel und eingebautem Lautsprecher) funktionstüchtig und ich habe noch lange darauf Schellackplatten abgespielt.

Stolzer Kapellmeister Friedrich Carl "Fritz" Schmenner im Jahre 1932 vor seiner Musikanlage. Foto: Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner, Copyright by Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH / SDS Marburg)


Hubertus Schmenner erinnert sich:
Die Veranda wurde 1933 erbaut. Kurz danach wurde bereits der große Lautsprecher auf dem Dach installiert. Er wurde mit einem riesigen 12 Röhrenverstärker befeuert, der eine gute Kühlung brauchte. War er voll aufgedreht, konnte man die Musik bis in die Stadt und Schloß hören.
Am Wochende war der Weintrauts "Petter" Kapellmeister. In der Woche machte es Friedrich Carl "Fritz sen." selber oder Fritz jun. als er älter war. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren durfte ich die Platten auflegen.
Beschwerden von Gästen kamen nicht. Viele Stammgäste hatten ihre Lieblingsmusik / Lieder die aufgelgt wurden, wenn sie zu Gast waren. Die meisten warteten schon darauf.
 Einer der wenigen Beschwerdeführer war der aus Holland stammende Professor Hermann Wirth Roeper-Bosch (Spitznamen: Hallap / Dippeteemann) aus der benachbarten Villa Ehrenburg. Friedrich Carl "Fritz sen." zog dann eines Tages mit einigen Kumpels auf das Nachbargrundstück und stellte Messlatten auf. Als Prof. Wirth nach dem Grund fragte, sagte Fritz sen, dass er das Grundstück für den Bau eines Waisernhauses und Kindererholungs- heims verkaufen wollte. Prof. Wirth könnte sich noch aussuchen, ob er von morgens bis abends Kinder- geplärr hören wolle oder lieber am Nachmittag schöne Musik. Die Beiden einigten sich darauf, dass der Lautsprecher in Betrieb bleiben konnte und die Dauer der Musik auf die Zeit zwischen 15.00 und 22.00 Uhr beschränkt wurde.
Blick auf das Hansenhaus Rechts und den großen Lautsprecher auf dem Dach der Veranda - 1940er Jahre - Foto: Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner, Copyright by Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH / SDS Marburg)


Die große Lautsprecheranlage mit den Gehäuse-Aussenmaßen von ca. knapp 120 x 120 x 100 cm auf dem Dach der Veranda wurde erst im Jahre 1965 im Rahmen einer Dachsanierung entfernt. Sie war bis zu diesem Zeitpunkt voll funktionsfähig.

Blick auf das Hansenhaus Rechts und den großen Lautsprecher auf dem Dach der Veranda - 1930er Jahre - Foto: Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner, Copyright by Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH / SDS Marburg)


Das nachfolgende Foto ist im Jahre 1953 entstanden. Hoch oben auf dem Flachdach der Veranda thront der große Lautsprecher. Im Gastgarten werden die Gäste von Fritz Schmenner sen, (mit dem Rücken zum Fotografen), seiner Tochter Hella Schmenner und seinem Sohn Fritz Schmenner jun. bedient.

1953 - Nachmittags im Wirtshausgarten - Der große Lautsprecher thront über allem auf dem Flaschdach der Veranda. - Quelle: Nachlaß Freia Höhne geb. Schmenner - Copyright by Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH  / SDS Marburg)

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Sonntag, 28. Februar 2016

Der direkte Weg zum Hansenhaus


Der Kaffweg

Der direkte Weg von Marburg zum Hansenhaus und später zu den Hansenhäusern war seit jeher der durch den Marburger Vorort Weidenhausen, an der unteren Sieche und St. Jost vorbei, den Kaff über den Kaffweg hoch.


Der Kaffweg war ein nicht befestigter Weg, ohne Bürgersteig und Beleuchtung. Einen Winterdienst wie wir ihn heute kennen gab es auch nicht.

Erst um 1900, mit Beginn des Baues der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt, der Solmschen Villa und des ATV.er Haus im Jahre 1912 wurde der Kaffweg stückchenweise befestigt und die bebauten Grundstücke an die städtische Versorgung angeschlossen.

Im Jahre 1932 wurde die Autoumgehungsstraße, der Krummbogen, zwischen Weidenhausen und der unteren Sieche mit St. Jost gebaut. Für dieses Bauvorhaben wurde sehr viel Erde benötigt. Diese gewann man unter anderem mit dem Abtragen eines Steilhanges zum Kaffwald rechter Hand am Kaffweg.

Dieser besagte Hang befand sich gegenüber des 1912 gebauten ATV.er Haus. Während der Bauarbeiten ereignete sich ein schwerer Sprengstoff-Unfall.

Quelle: Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH / SDS Marburg) - Der Kaffweg gegenüber des ATV.er Haus. Noch nach 84 Jahren ist der damalige Eingriff in die Natur.
 
Die Oberhessische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom Mittoch, den 23.11.1932 folgendes:

Schweres Sprengstoff-Unglück am Kaffweg
1 Toter und 3 Schwerverletzte


Heute morgen gegem 8.30 Uhr ereignete sich am Kaffweg, wo bekanntlich zur Zeit ein Abhang abgegraben und Sprengungen vorgenommen werden, um Erde für den Ausbau der Autoumgehungsstraße zu gewinnen, eine Sprengstoff-Explosion. Die Arbeiter Simon, Klee und Brusius von hier bzw. aus Ockershausen wurden schwer verletzt.

Zudem Unglücksfall ist noch folgendes mitzuteilen:

Die Unglücksstelle liegt gerade gegenüber dem ATV.er Haus am Kaffweg. Am Montag waren hier zwei Sprengstoff- ladungen angebracht,die zur Explosion gebracht worden waren. Am gestrigen Tage wurden nun zwei weitere Schüsse in einer Tiefe von 1,80 Metern gelegt mit der Bestimmung, daß falls von den ersten Sprengladungen noch etwas übrig geblieben war, durch die neuen Sprengungen der Rest beseitigt würde.

Heute morgen fingen nun die Arbeiter an zu arbeiten und dabei schlug der getötete Arbeiter Rhiel mit einer Spitzhacke auf die steckengebliebende Sprengpatrone.

Diese muss zur Explosion gekommen sein und das Unglück herbeigeführt haben. Der Arbeiter Rhiel wurde 6 Meter weit auf die andere Straßenseite geschleudert. Die Schädeldecke war dem Bedauernswertem vollkommen abgerissen. Die drei in der Nähe befindlichen Arbeiter wurden erheblich verletzt und später in die Chirurgische Klinik eingeliefert.

Ob und wie weit ein Verschulden der Bauleitung oder des Sprengmeisters vorliegt, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben. Der Sprengmeister wurde sofort auf der Polizei einem eingehenden Verhör unterzogen. Die Gerüchteüber die Verhaftung des Sprenmeisters entsprechen nicht den Tatsachen.

Die Explosion wurde heute vormittag fast in der ganzen Stadt gehört.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Arbeiten bisher ohne größeres Unglück verliefen, denn durch die Sprengungen werden die Steine oft, wie uns Augenzeugen berichten, bis zur Höhlsgasse geschleudert. Gestern flog z. B. ein Stein durch ein Fenster des ATV.er Hauses in das Zimmer eines dort wohnenden Studenten, der glücklicherweise aber nicht verletzt wurde.

Die Arbeiten an der Baustelle mußten infolge des Unglücks für heute eingestellt werden.



Samstag, 20. Februar 2016

Licht an!


Das ungeliebte Bürgerliche Gesetzbuch

Im fernen Berlin hatte 1896 der Reichstag ein neues Gesetzeswerk beschlossen. Der Name dieses Gesetzbuches war "Bürgerliches Gesetzbuch", abgekürzt BGB. Es trat mit Beginn des 01. Januar 1900 in kraft.

Kurz vor dem siebten Jahrestag des noch für viele neuen Regelwerkes stellte man in Marburg und Umgebung fest, dass sich ein Großteil der Bevölkerung nicht daran hielt bzw. es überhaupt nicht kannte.

Die Oberhessische Zeitung wies in ihrer Ausgabe vom 23. November 1906 die Wirte auf den Paragraphen 278 des Bürgerlichen Gesetzbuch mit folgenem Wortlaut hin:

 *Für Wirte. Durch den Aufenthalt eines Gastes in den Restaurationsräumen entsteht zwischen jenem und dem Wirte ein Vertragsverhältnis. Diesem Verhältnis entsprechend ist der Wirt zur ordnungsgemäßen Beleuchtung des Flures, sobald das abnehmende Tageslicht dies nötig macht, insbesondere der Oertlichkeiten, deren Betreten für nicht ortkundige Personen eine Gefahr enthalten könnte, verpflichtet. Durch Unterlassung dieser Vertragspflicht macht er sich schadenersatzpflichtig. Diese Ersatzpflicht kann er nicht dadurch von sich abwälzen, dass er sich zu seiner Entlastung auf ein Verschulden seines Kellners beruft, denn für dieses hat er nach § 278 B.G.B. ebenso wie für sein eigenes einzustehen.

Man bedenke hierzu, dass
  • 1906 noch keine 10 Prozent der Bevölkerung an die Elektrizität angeschlossen waren.
  • zumeist mit offenen Licht hantiert werden musste.
  • die Oertlichkeiten sich meist fernab, teilweise über den Hof, der Gasträume befanden.
  • nur sehr wenige Bürger eine Zeitung lasen.

Die Wirte der beiden Hansenhäuser, Friedrich Schmenner und Ernst Herling, mussten ebenfalls mit mehreren Quellen offenen Lichtes hantieren, da die Oertlichkeiten zu diesem Zeitpunkt noch ausser Haus waren.




Sonntag, 7. Februar 2016

Die 5. Jahreszeit im Hansenhaus

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Marburger Karneval

 

Die Samstage zwischen Neujahr und Rosenmontag waren bei den Marburger Karnevalisten ein hoch begehrtes Gut. 

Um einen dieser begehrten Samstage zu ergattern, standen die Marburger Vereine und Institutionen alljährlich bei den Marburger Festsaalbesitzern Schlange.

Gemeinschaftshäuser und für jedermann zugängliche und buchbare Verbindungshäuser gab es noch nicht. Besonders in den Jahren mit einer kurzen fünften Jahreszeit kam es oft zu Engpässen. Einige Vereine mussten dann auf den damals unbeliebten Freitag ausweichen. 

Jeder Verein legte besonderen Wert auf eine eigene Dekoration. Schon Tage vor dem eigentlichen Termin wurden die Säle entsprechend geschmückt.

Fasching der Marburger Feuerwehr


Das nachfolgende Foto zeigt im Hintergrund einen Teil der Faschingsdekoration der Marburger Feuerwehr. Im Vordergrund sehen wir die Mannschaft des Hansenhaus Rechts vor dem Festbeginn.

Vor der Faschingdekoration der Marburger Feuerwehr wartet die Mannschaft von Friedrich Carl „Fritz“ Schmenner (Mitte), von links: Hella Schmenner, Seppl Krapp, Jakob Boß, Fritz Daub u. Dine Schwarz auf den Beginn der Faschingsveranstaltung.      Quelle: Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner; Copyright: Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH / SDS Marburg)


 


 Hubertus Schmenner erinnert sich:
Die Dekoration im Saal wurde für eine Faschingsveranstaltung der Marburger Feuerwehr hergerichtet. Der ganze Saal wurde im Stiel einer Bayern Landschaft dekoriert. Ich meine, es war 1951 oder 1952. Der beiden Kellner waren Seppl Krapp aus Weidenhausen (im Hauptberuf Schneider wie Hermann Immel) und der andere war Fritz Daub. Er wohnte am Hainweg. Rechts auf die Foto ist Dine Schwarz zu sehen. Sie war zu dieser
Zeit Hausmädchen im Hansenhaus Rechts und stammte aus Wittelsberg.
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Dienstag, 26. Januar 2016

Zum 170. Todestag von Heinrich Schmenner

Heinrich Schmenner (22.03.1838 – 26.01.1846)

Inschrift eines Grab- und Gedenksteines aus dem Jahre 1846 auf dem Alten Friedhof am Barfüßertor zu Marburg:
DEM ANDENKEN DER DREI KNABEN GEWEIT WELCHE AM 26 JANUAR 1846 DURCH DEN EINSTURZ DER PREDIGER MAUER AM LAHNTHOR DEN TOD FANDEN UND HIER VEREINT SIND
 

Was war geschehen? 

Der Knabe Heinrich Schmenner (22.03.1838) lebte mit seinen Eltern, dem Bürger, Tabakspinner und späterem Wirth des Hansenhof Johannes Schmenner, Sohn des  Balthasar Schmenner, Wirth auf dem Hansenhof (Hansenhaus Rechts), und Ehefrau Christine, geb. Saelzer sowie seinen Geschwistern im Haus Nr. 742 des Marburger Vorortes Weidenhausen (Heute Weidenhäuserstraße 80). Das Haus 742 war ein sehr schmales und hohes Haus, angebaut in einem von der Straße nicht sichtbaren Winkel des Vorderhauses. Der Eingang befand sich in einer kleinen Gasse. Heute sind beide Häuser durch den Eingang des Vorderhauses erreichbar.



Wie eigentlich an jedem Tag, machte sich Heinrich auch am Montag den 26. Januar 1946, so um halb Acht rum, auf den Weg zur Schule. Unterwegs traf er noch Freunde und Schulkameraden, und so ging man gemeinsam das Lahntor hinauf zur Schule. An diesem Morgen sollten allerdings nicht alle die Schule erreichen. Just in dem Augenblick, als die Schüler das Lahntor passierten, stürzte mit Getöse die enorm große Prediger Mauer ein und begrub mehrere Kinder unter sich.



Der Marburger Polizeidirektor, Wilhelm Heinrich Wangemann, berichtet umgehend, noch am 26. Januar 1846, an das Innenministerium in Kassel:
"... Heute Morgen um 3/4 8 Uhr stürzte die Mauer unter dem Gärtchen hinter dem Gymnasialgebäude und an dem Universitätsgebäude, durch einen viertägigen,Tag und Nacht anhaltenden, Regen erweicht, fast in ihrer ganzen Länge zusammen, verschüttete durch Steine und Erde die ganze sehr breite aus der oberen Stadt nach der Lahnbrücke zu führende Straße dergestalt, dass sogar der Schutt mehrere der gegenüber liegenden Häuser beschädigte [.....] Dabei wurden mehrere Kinder, welche sich auf dem Weg zur Bürgerschule befanden, verschüttet und teilweise erschlagen. [....] Drei Kinder konnten nur noch tot aus dem Schutt geborgen werden zwei weitere waren lebensgefährlich und drei minder hart verletztet. …" 
 Der Direktor des Gymnasiums, Dr. August Friedrich Christian Vilmar, berichtete ebenfalls in seiner gedruckten Mitteilung „Zu der öffentlichen Prüfung der Schüler des Kurfürstlichen Gymnasiums zu Marburg im Jahre 1846“ auf den Seiten 37 und 38 über das tragische Unglück:
"… Am 26. Januar 1846 stürzten in Folge der ungewöhnlichen Regengüsse, welche in den nächstvorhergegangenen Tagen Statt gefunden hatten, die hohen Umfassungsmauern des ehemaligen Dominikanerklosters und jetzigen Universitätsgebäudes, innerhalb dessen sich auch das Gymnasium befindet, zu grossen Theile – fast so weit dieselben die dermalige Dienstwohnung des Gymnasialdirectors umschlossen, nach der Lahnthorstrasse hin ein, und begruben in ihrem Falle fünf Knaben von 7- 8 Jahren, Schüler der hiesigen Bürgerschule, von welchen drei ihren augenblicklichen Tod fanden, zwei lebensgefährlich verletzt, aber seitdem wieder hergestellt wurden. Schüler des Gymnasiums wurden von dem Unfalle nicht berührt, ebenso wenig irgendeins der Schullocale des Gymnasiums oder die Aula der Universität. Dabei musste ein in Benutzung des Gymnasiums befindliches Gebäude in Folge dieses Mauersturzes zum großen Theil abgebrochen und die Bibliothek nebst den übrigen Sammlungen und Apparaten de Gymnasiums, welche in diesem Gebäude ihre Locale hatten, einstweilen in einem Privathause der Stadt untergebracht werden. [….] Unter ganz gleichen Umständen, nach ungewöhnlichen Regengüssen, welche, wie diesmal, ein starkes Anfluten der Lahn zur Folge hatten, stürzte dieselbe Mauer an dem demselben Tage (14. Januar in alten Stils) und derselben Stunde (acht Uhr Morgens) wie 1846, im Jahre 1552 ein, und zerschmetterte zwei gegenüberliegende Häuser, kostete damals jedoch kein Menschenleben. …"

Im Wochenblatt für die Provinz Oberhessen, Marburg, Sonnabend den 31. Januar 1846, konnte man im Mitteilungsteil für Marburg ebenfalls darüber lesen.
Gestorben in der evangelisch-lutherischen Gemeinde: Philipp, des hiesigen Bürgers und Seifensieders Oavid Prätorius Sohn, alt 8 Jahre, 11 Monate und 14 Tage ; Heinrich, des hiesigen Bürgers und Tabackspinners Johannes Schmenner Sohn, alt 7 Jahre, 10 Monate und 17 Tage; Wilhelm, des hiesigen  Bürgers  und  Häfnermeisters  Christoph Hermann Keppler Sohn, alt 8 Jahre, 11 Monate und 5 Tage.


 Etliche Jahre später, ca. 1875, entstand dieses Bild. Darauf kann der Betrachter anhand der Steine der Mauer erkennen, welches Teil dieser Mauer nach dem Einsturz erneuert wurde.

Philipps Universität ca. 1875. Blick auf die wiederaufgebaute Mauer. Quelle: Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner



"... Die Bürgerschaft Marburg, genauer gesagt, die der lutherischen Gemeinde, hingegen hatte noch im Jahre 1846 einen Steinmetz beauftragt, ein großes Denkmal auf dem Friedhof vor dem Barfüßertor zu errichten bei dem auf der Stirnseite der eingangs zitierte Text steht; auf den drei übrigen Seiten ist jeweils der Name eines Knaben und das Jahr seiner Geburt eingemeißelt. ..." (Dr.h.c.M.Lemberg)













    Quellennachweis:
    • Stadtarchiv Marburg und GenWiki: Sippenbuch der Stadt Marburg 
    • Dr. A. F. C. Vilmar: Zu der öffentlichen Prüfung der Schüler des Kurfürstlichen Gymnasiums zu Marburg im Jahre 1846 – Seiten 37/38 
    • Akten des Staatsarchivs Marburg, u. a. StAM Karten Marburg P II Nr. 3581: Universitätsgebäude zu Marburg, Facade nach der Lanthor-Straße und StAM Best. 16 Nr. 5591: Akten betreffend den Einsturz der Umfassungsmauer am Universitätsgebäude in Marburg 1846
    • Nachlass Freia Höhne, geb. Schmenner - Bild Lahntor
    • Wolfgang O. H. Schmenner (WOHSCH) - Bilder Friedhof und Weidenhausen
    • Margret Lemberg, Or. h. c., Oberstudienrätin für die Fächer Deutsch und Geschich­ te, von 1981 bis 1995 am Philippmum in der Festschrift zum 475jährigen Jubiläums des Gymnasium Philippinum zu Marburg“ – Seiten 169-174, 180-181
    • Wochenblatt für die Provinz Oberhessen, Marburg, Sonnabend den 31. Januar 1846 STAM Slg 10 Marburg 3